Wochenbettdepression

Eine Wochenbettdepression tritt häufiger auf als du vielleicht vermutest – und doch wird über das Thema kaum gesprochen. Denn nur ungern will eine Mama, die gerade doch jetzt das absolute Glück erfahren hat zugeben, dass sie alles andere als glücklich ist. Das Erleben einer Geburt ist eine existentielle Erfahrung. Hinzu kommt eine drastische hormonelle Umstellung, von Milcheinschuss bis hin zurück zum monatlichen Menstruationszyklus. Aber auch die äußeren Umstände und der Lebensalltag ändern sich fundamental nach der Geburt. Kein Wunder, dass nicht immer alles so geordnet und wunderbar abläuft. Das Thema Wochenbettdepression braucht Aufklärung.

Wochenbettdepression – behandelbar und dennoch ein Tabuthema

Eine Wochenbettdepression tritt häufiger auf als du vielleicht vermutest – und doch wird über das Thema kaum gesprochen. Denn nur ungern will eine Mama, die gerade doch jetzt das absolute Glück erfahren hat zugeben, dass sie alles andere als glücklich ist. Das Erleben einer Geburt ist eine existentielle Erfahrung. Hinzu kommt eine drastische hormonelle Umstellung, von Milcheinschuss bis hin zurück zum monatlichen Menstruationszyklus. Aber auch die äußeren Umstände und der Lebensalltag ändern sich fundamental nach der Geburt. Kein Wunder, dass nicht immer alles so geordnet und wunderbar abläuft. Das Thema Wochenbettdepression braucht Aufklärung.

Gleich Vorweg ein wichtiger Hinweis: An einer Wochenbettdepression ist niemand schuld. Es ist eine Krankheit, für die es verschiedene körperliche und psychische, aber auch äußere Ursachen geben kann. Eine Wochenbettdepression ist eine Form von Depression und ist gut behandelbar. Sie kann im ersten bzw. zweiten Jahr nach der Geburt auftreten. Die Symptome unterscheiden sich nicht von einer Depression in anderen Lebensphasen: Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Freudlosigkeit oder auch Antriebsmangel.

 

Mentale Gesundheit ist so wichtig und dennoch wird so selten darüber gesprochen. Wir wissen natürlich ,dass Sport oder gesundes Essen wichtig sind und denken, das mit der mentalen Gesundheit kommt ganz von allein – Pustekuchen! Auch für unsere mentale Gesundheit müssen wir etwas tun. Achtsam mit dir selbst umzugehen ist daher goldwert. Und wenn du merkst, dass etwas nicht so abläuft wie es doch eigentlich sollte, dann darfst du dir das Recht nehmen, mit Partner:Innen, Freund:Innen und Expert:Innen über deine Sorgen zu sprechen. DU BIST WICHTIG!

Wir haben das Gespräch mit einer erfahrenen Hebamme und Psychologin mit dem Schwerpunkt auf Wochenbettdepressionen gesucht.

Interview mit der Expertin Natalie Samimi: Wochenbettdepression ist immer noch ein Tabuthema

Hallo Frau Samimi, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Bei Löwenzahn Organics wollen wir über Themen rund um das Wochenbett sprechen, die oft mit “Reiß dich Mal zusammen” abgewertet werden. Deshalb haben wir ein paar Fragen für Sie als Expertin zum Thema Wochenbettdepression vorbereitet. Denn wir findes es so unglaublich wichtig über die mentale Gesundheit von Müttern, also Frauengesundheit zu berichten.

Gibt es eigentlich viele Frauen die von Wochenbettdepressionen betroffen sind?

In der wissenschaftlichen Literatur, also in Metaanalysen wird von 10 % – 15 % bei Frauen und 10% bei Männern gesprochen. Gut zu wissen: Der größte Risikofaktor für einen Mann eine Wochenbettdepression zu bekommen ist der, dass er eine Partnerin hat, die darunter leidet. Dabei wissen wir allerdings auch nicht wie hoch die Dunkelziffer ist. Denn viele Frauen und auch Männer trauen sich nicht, nach Hilfe zu suchen. Dabei ist genau das so wichtig: Eine Wochenbettdepression, auch Postpartale Depression (PPD) genannt, ist eine Störung, die gut behandelbar ist.

Wie fühlt sich eine Wochenbettdepression eigentlich an?

Eine Wochenbettdepression ist eine Depression mit unterschiedlichen Schweregraden. Allerdings kommt bei einer Wochenbettdepression das Thema Schuldgefühle und Versagensängste im Zusammenhang mit dem Gefühl “Ich bin eine schlechte Mutter” hinzu. Die Mutter macht sich Sorgen um ihr Kind, aber auch darum keine gute Mutter zu sein aber auch darum als Partnerin zu versagen.

Nach einer Geburt tritt in 50 – 70 % der Fällen der sogenannte Baby Blues ein – aufgrund hormoneller Umstellungen und ungefähr zeitgleich mit dem Milcheinschuss. Dieser sollte aber nach ca. zwei Wochen vorbei sein. Falls nicht, kann es sich bei Gefühlen wie beispielsweise andauernder Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit auch um eine postnatale Depression handeln.

“Es gibt so viele verschiedene Formen von Wochenbettdepressionen wie es Frauen gibt.”
Natalie Samimi

Die Symptome sind so unterschiedlich und es fehlt in der Wissenschaft nach einer klaren Definition. Auch passt der Name Wochenbettdepression nicht wirklich zur postnatalen Depression, denn sie kann im ersten beziehungsweise zweiten Jahr nach der Geburt noch eintreten.

Um herauszufinden, ob es sich um eine postnatale Depression handelt, wird ein Fragebogen zur Selbstauskunft verwendet. Anerkannt und häufig verwendet wird die Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS), die ich auch in meiner Praxis verwende. Den Fragebogen kann eine Frau auch bei sich zu Hause ausfüllen.

Allerdings will ich noch ergänzen, dass es üblich ist, eine allgemeinen medizinischen Untersuchung durchzuführen, um abzuklären ob es sich um eine Depression handeln könnte. Gefühlszustände können auch rein körperliche Ursachen haben. So wird etwa die Schilddrüsenfunktion überprüft. Denn eine Fehlfunktion der Schilddrüsen kann das Gelichgewicht des Hormonhaushaltes im Körper durcheinander bringen.

Was kann eine Frau tun, wenn Sie befürchtet an einer postnatale Depression zu leiden?

Der erste Schritt ist es, mit dem Partner oder der Partnerin zu sprechen. Natürlich ist die Hebamme oder auch der Frauenarzt oder die Frauenärztin eine gute erste Anlaufstelle. Die Schwierigkeit besteht darin, den Mut zu haben eine Wochenbettdepression als solche zu benennen und über Ängste und Sorgen zu sprechen.

Warum werden Wochenbettdepressionen als Tabuthema empfunden?

Psychische Störungen unterliegen schlicht einem Tabu. Es gehört sich nicht über mentale Schwierigkeiten zu sprechen. Hinzu kommt noch, dass das Bild der Mutterschaft idealisiert wird. Schwanger zu sein, oder auch sich im Wochenbett zu befinden ist schließlich keine Krankheit. Da kommen gern auch mal die inneren und äußeren Ansprüche im Sinne von “Reiss dich mal zusammen” ans Tageslicht.

Mütter müssen funktionieren. Es gibt den Ausdruck “Rabenmutter”, den ich nur aus dem deutschen Sprachraum kenne. Eine Mutter, die nicht so funktioniert, wie es gesellschaftlich erwartet wird, wird als Rabenmutter abgestempelt. Mütter werden in ihrem Handeln und Tun stetig von außen bewertet.

Genau das ist frauenfeindlich. Hinzu kommt, dass Frauengesundheit erst langsam debattiert wird. Sie war leider lange im Hintergrund, sowohl bei medizinischem Fachpersonal als auch in der Forschung.

“Es fehlt in unserer Gesellschaft noch an Aufklärung, wenn es um mentale Gesundheit und vor allem um Frauengesundheit geht.”
Natalie Samimi

Was können Partner, Freunde und Familie tun, um zu unterstützen?

Soziale Unterstützung ist, was Frauen nach einer Geburt brauchen. Die Frau sollte sich aufgefangen und versorgt fühlen. Begleitet und gehört zu werden, verhilft zu mehr Resilienz.

Einmal ist ein Mann in meiner Praxis gekommen, der mir erzählt hat, dass seine Frau über 10 Minuten still vor der Waschmaschine gesessen hat, ohne sich zu bewegen oder etwas zu sagen.

Wenn ein Partner oder Freunde bemerken, dass die Mutter Schwierigkeiten haben sollte, können sie das Gespräch mit ihr suchen. Eine mögliche Herangehensweise ist es, der Mutter zu berichten was sie an ihr beobachten haben ohne sie dabei zu bewerten. Man könnte zum Beispiel sagen: “Ich mache mir Sorgen um dich, weil ich folgendes beobachtet habe…. Es ist mein Bedürfnis, dass ….”

Schwierig ist, dass viele Mütter nach der Geburt ihre eigenen Gefühle hinten anstellen und ihre eigenen Emotionen verstecken. Oft lächeln sie, sind aber innerlich verzweifelt. Sie nehmen sich selbst nicht wichtig genug und es kommen vielleicht Themen aus ihrer Vergangenheit hoch, die noch nicht verarbeitet wurden. Dabei ist es wichtig für Frauen zu verstehen, dass nichts an ihnen falsch ist. Die Zeit rund um die Geburt ist intensiv und es kann zu vielen inneren Berührungen kommen. Es braucht Zeit und Raum für die unterschiedlichen Gefühle und eine stützende Begleitung. Eine Wochenbettdepression ist eine Krankheit und behandelbar.

Was muss sich ihrer Meinung nach ändern?

Frauen in der Schwangerschaft denken häufig nur an die Geburt und sind dann von der Situation nach der Geburt überrascht und eventuell überfordert.

Es wird zu wenig darüber gesprochen. Weder auf der sozialen noch auf der professionellen Ebene wird über die mentalen Herausforderungen nach der Geburt, im Wochenbett angemessen besprochen.

Es ist wichtig, dass Fachleute Familien früh genug darüber aufklären, dass Wochenbettdepressionen möglich und gut behandelbar sind – und worauf sie als Familien achten können. Mit Aufklärung meine ich hier keinesfalls Panik zu verursachen. Davon gibt es bei Vorsorge und Geburtsvorbereitung schon genug. Es geht vielmehr darum, auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen und sie aufzuklären.

Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel das Thema Wochenbettdepression mit in die ersten U-Untersuchungen aufzunehmen.

Auch wird die mentale Gesundheit von Männern nach der Geburt meist gar nicht beachtet. Auch Männer haben eine nachweisliche hormonelle Veränderung nach der Geburt und können sich genauso wie die Frau überfordert mit der neuen Situation fühlen.

 

Herzlichen Dank Frau Samimi für das spannende Gespräch.

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Wo du Hilfe findest

Falls du dich jetzt fragst, wie es weiter geht. Also an wen du dich bei deiner Suche nach Unterstützung wenden kannst, haben wir ein paar Links für dich gesammelt.

  • Direkt zur Quelle: Natürlich kannst du auch direkt mit Frau Samimi  sprechen, die eine Praxis in Berlin hat.
  • Triff Gleichgesinnte und Experten: Der Verein Schatten und Licht e.V. bietet zahlreiche Hilfsangebote für Frauen mit seelischen Erkrankungen an.
  • Mach den Test: Der Fragebogen auf Basis der Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS) wird verwendet, um herauszufinden, ob eventuell eine Depression vorliegt.

Das Wochenbett ist eine wunderschöne Zeit des Ankommens und Kennenlernens aber auch eine Herausforderung, physisch wie auch seelisch. Du bist nicht allein mit deinen Gefühlen: 12 Dinge, die dir vorher niemand über das Wochenbett gesagt hat.

 

Titelbild: © www.studio-una.de 

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