Milcheinschuss-fördern

Mit einem Katalog an Fragen im Gepäck über das Fördern eines Milcheinschusses, das Vermeiden eines Milchstaus oder wunder Brustwarzen haben wir uns an Karen Dirks, eine Hebamme aus Berlin Kreuzberg gewandt. 

Stillen selbst ist im Grunde ein natürlicher Prozess, der auf dem Prinzip Nachfrage und Angebot basiert. Dennoch können bei den ersten Stillversuchen unzählige Fragen auftauchen. Es hat sehr viel Spaß gemacht sich mit Karen zu unterhalten und wir hoffen, dass du ein paar wertvolle Informationen mitnehmen kannst. 

Interview: Milcheinschuss fördern und wie geht eigentlich Stillen?

Mit einem Katalog an Fragen im Gepäck über das Fördern eines Milcheinschusses, das Vermeiden eines Milchstaus oder wunder Brustwarzen haben wir uns an Karen Dirks, eine Hebamme aus Berlin Kreuzberg gewandt. 

Stillen selbst ist im Grunde ein natürlicher Prozess, der auf dem Prinzip Nachfrage und Angebot basiert. Dennoch können bei den ersten Stillversuchen unzählige Fragen auftauchen. Es hat sehr viel Spaß gemacht sich mit Karen zu unterhalten und wir hoffen, dass du ein paar wertvolle Informationen mitnehmen kannst. 

Was liebst du an deinem Beruf

Die Mischung aus allem: therapeutische Gespräche mit der Mutter bis hin zu medizinischen Aufgaben, wenn die Babys noch sehr klein sind. Ich möchte Frauen den Raum geben, das existentielle Erlebnis der Geburt und der Zeit danach so zu erleben wie sie es sich wünschen.

Wie geht eigentlich Stillen?

Stillen ist ein praktischer aber auch hoch komplexer hormoneller Akt oder Kreislauf. Nicht umsonst gibt es den Beruf der Stillberaterin, der in einer dreijährigen Zusatzausbildung erlernt wird.

Ersteinmal ist Stillen das Natürlichste der Welt, sonst würde es die Menschheit jetzt, im Jahr 2020 nicht in diesem Ausmaß geben. Muttermilch ist immerhin die Hauptnahrungsquelle von Babys!

Frauen melden sich in der vierten oder fünften Schwangerschaftswoche. Und dann besteht die Beziehung zur Hebamme manchmal bis das Baby ein Jahr alt ist.

Stillen folgt einer simplen Regel: Die Nachfrage regelt das Angebot. Wenn ein Baby saugt, dann beginnen bei der Frau verschiedene hormonelle Prozesse, die das Stillen ermöglichen. Einfach gesagt, die Brust muss angeregt werden, damit Milch produziert wird. Entweder durch das Saugen des Babys oder auch durch Pumpen mit einer Milchpumpe beginnt der Milcheinschuss.

 

Muttermilchpumpe

 

Wie funktioniert der Milcheinschuss?

Bis in die 90er wurde fälschlicherweise angenommen, dass in der Brust “Milchseen” sind. Daraus wurde gefolgert: Hat das Baby an der Brust getrunken werden diese Seen an Milch geleert und die Brust wird wieder weich. Erst wenn die Brust leer ist, wird Milch produziert. Das Baby sollte also alle vier Stunden trinken, um zu verhindern, dass die Milch nicht schlecht wird. Daher kommt die Idee, dass das Kind die Brust leer trinken muss. Nichts davon stimmt. Erst wenn gesaugt wird, wird produziert.

wunde Brustwarzen

Anstatt “Milchseen”, gibt es Milchgänge. In dem Moment, indem das Baby anfängt zu saugen, geht die Information an das Gehirn “Hey hier saugt einer, mach mal Milch”. Dann kommt das Hormon Prolaktin ins Spiel, das Hormon, welches für die Milchbildung verantwortlich ist. Den Vorgang, das Milch einschießt, spüren auch viele Frauen.

In welchen Positionen kann gestillt werden?

Also, es gibt drei wichtige Stillpositionen: den Wiegegriff, dann den Rückengriff und das Stillen im Liegen.

Den Wiegegriff sieht man häufig in Cafés oder wenn Mütter ihre Babys unterwegs stillen. Der Rückengriff ist super für den Anfang, weil man eine gute Übersicht über Brust und Kind hat. In dieser Haltung trinken viele Kinder, auch wenn sie müde sind. Auch gut geeignet für Frühgeborene. Im Liegen zu stillen ist vor allem nachts vorteilhaft.

Und, welche Position ist am besten?

Alle drei sind super, es kommt ganz auf die Situation an. Am besten merkt man sich, dort wo das Kinn des Babys ist, wird die Brust am meisten stimuliert und massiert.

Gerade am Anfang empfehle ich immer alle drei Position: wie gesagt, Nachts im Liegen und den Rest tagsüber. Durch die verschiedene Stillposition ändert sich auch die Position des Kinns des Babys und so wird die gesamte Brust massiert. Gut, um Milchstau zu vermeiden.

Was hilft noch, um Milchstau zu vermeiden?

Beim sogenannten Milchstau sind Lymphe und Drüsen geschwollen. Wenn die Brust durch Stillen wieder stimuliert und massiert wird, entspannen sich die Lymphe und Drüsen meist auch wieder.

Milchstau ist auch immer mit Stress verbunden. Eine gestresste Mutter kann sehr schnell einen Milchstau erleiden. Ein Streit reicht übrigens manchmal auch schon für einen Milchstau aus.

Ein Milchstau kann im Extremfall richtig schlimm werden, bis hin zur Brustentzündung. Also, Hausaufgabe Brustmassage! Präventiv zu arbeiten ist das Beste, um einen Milchstau zu vermeiden. Regelmäßiges Abtasten, ob es feste Stellen gibt und dann Kohlwickel oder Quarkwickel anwenden. Weiter kann ebenso Kühlen, Duschen, Ausstreichen oder das sanfte Einreiben einer Salbe kleine Wunder bewirken.

Fläschchen

 

Wie ist das mit wunden Brustwarzen. Was hilft dagegen?

Meist Anlegefehler, Kieferverspannung oder andere anatomische Besonderheiten wie etwa ein zu kurzes Zungenbändchen. Denn mit einem zu kurzen Zungenbändchen kann das Baby die Brustwarze nicht so leicht nach hinten ziehen. Dann wird die Brustwarze durch die Saugversuche des Babys sehr wund.

Um wunde Brustwarzen zu heilen, hilft es frische Luft an diese kommen zu lassen, Muttermilch antrocknen zu lassen oder auch reines Lanolin ganz dünn aufzutragen.

Auch bei anfänglichen Schwierigkeiten gibt es keinen Grund zur Sorge. Um Stillen zu lernen, werden in der Regel maximal sechs Wochen benötigt. Nach sechs Wochen ist meist das größte Stillproblem gelöst.

 

Fläschchen oder Brust, was ist dran an Saugverwirrung?

Also, Babys müssen an der Brust zunächst saugen bis Milch fließt. Dies bedetet auch, dass die ersten Saugeversuche des Babys ins Leere laufen. Es dauert ein bisschen bis die Milch kommt. Bei einem Fläschchen läuft es in der Regel so, dass dieses einfach nur umgedreht werden muss, und die Milch fließt ohne große Anstrengungen des Babys. Daran können sich Babys schnell gewöhnen und sie können, ein bisschen faul werden, muss aber nicht so kommen. Jedes Baby ist anders.

Wenn eine Mama Pre Anfangsmilch füttern möchte, gibt es das Brusternährungsset als Alternative zum regulären Fläschchen. Da wird mit mini, mini kleinen Schläuchen gearbeitet. Der Schlauch wird an die Brustwarze geklebt, der Beutel mit der Pre Anfangsmilch ist am anderen Ende und die Mama drückt erst auf die Spritze, damit die Milch fließt, wenn das Baby saugt. Natürlich merkt das Baby den Schlauch. Jede Mama entscheidet für sich was das Beste für sie und ihr Baby ist.

Stillen hat viel mit Entspannung zu tun.

Es gibt zwei Hormone, die während des Stillen zum Einsatz kommen: Oxytocin und Prolaktin. Beide können allerdings nur ungehindert arbeiten, wenn sie nicht vom Stresshormon Adrenalin gehemmt werden.

Kann man mit der Ernährung einen Milcheinschuss fördern? Welche Ernährung empfiehlst du Mamas während der Stillzeit?

Generell empfehle ich Mamas nährend zu essen. Damit meine ich eine nährstoffreiche Ernährung. Morgens gern ein wärmendes Porridge mit Früchten, dann mittags warmes Gemüse oder kräftige Suppen. Beim Stillen werden einige Kalorien verbrannt. Daher braucht der Körper Energie. Zwischendrin ist Studentenfutter gut oder auch Energieriegel.

Bekannte Inhaltsstoffe, um die Milchbildung anzuregen, ist etwa Bockshornklee. Es gibt sogar Kulturen, in denen Müttern täglich ein Stück Kuchen mit Bockshornklee empfohlen wird. Es gibt auch Stillkugeln, allerdings sind in dennen meist nur ordentlich Hafer, Butter und Sahne. Das bedeutet, dass sie satt machen, aber nicht wirklich Stoffe enthalten sind, welche die Milchbildung anregen bzw. einen Milcheinschuss fördern.

Hast du einen Blog oder Bücher den oder die du gerne empfiehlst?

Auf jeden Fall. Und dennoch ist es wichtig sich immer wieder daran zu erinnern jede Mama und ihr Baby entscheiden selbst, wie weit sie sind. Ein gutes Buch fällt mir gerade nicht ein, aber es gibt drei Blogs, welche ich gern mag:

Einmal “von guten Eltern” , dann “Geborgen Wachsen” und ein Blog von einem Kinderarzt und Vater namens “Kinder Verstehen”.

Danke liebe Karen für das tolle Gespräch!

Karen Dirks ist Hebamme aus Berlin Kreuzberg, angestellt im Kreißsaal eines großen Krankenhauses und selbstständig mit Vorsorgen- und Wochenbettbetreuungen. Außerdem hat sie einen Sitz im Vorstand des Vereins für anthroposophische Hebammenkunde (VfaH e.V.). Lerne mehr über Karen.

 

Stark. Lecker. Beiß dich durch.
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