Dieser Beitrag erschien zuerst auf Little Paper Plane
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Schwanger zu sein ist magisch. Es ist wunderschön und einfach so, so erfüllend. Oder?

Von wegen.

Ja, es gibt da draußen auch Frauen, die Schwangersein weder schön noch magisch noch toll finden. Es ist einfach ein Mittel zum Zweck, nämlich ein Baby zu bekommen. Wenn man laut und deutlich sagt, dass man es nicht soooo cool findet schwanger zu sein, fühlen sich die meisten Zuhörer unbehaglich. Es ist viel einfacher sich mit einer strahlenden, sich übber den Bauch streichelnden Schwangeren zu freuen, als zu akzeptieren, dass die Nebenwirkungen der Kugelzeit auch unangenehm sein können.

Viel zu oft hören wir Schwangeren, die es wagen sich zu beklagen, dass wir doch dankbar sein sollen, dass es ja eh nur für eine begrenzte Zeit ist und wir es (würg) genießen sollen. Aber es soll auch okay sein, über die Wehwehchen und all die „tollen“ side effects schimpfen zu dürfen.

Die wären (und die Liste ist unvollständig):

1. Übelkeit

Ja, diese Übelkeit am Anfang einer Schwangerschaft ist wirklich zauberhaft, nicht wahr? Wer wünscht sich nicht morgens aufzustehen und gleich das Klo zum umarmen. Schließlich hat man die Schüssel aber auch soooo lieb. Und ja, es gibt Frauen, die bis zum Schluss, also rund 280 Tage lang an der Kotzerei leiden. Magisch, einfach magisch. NOT.

2. Stress

Wer schon einmal eine Fehlgeburt hatte (oder generell eher ängstlich ist), der leidet in den ersten Monaten einer Schwangerschaft nicht nur unter Übelkeit, sondern auch unter Stress. Denn solange man das Baby im Bauch nicht spüren kann, hat man keinen blassen Schimmer davon, was da drinnen vorgeht. Diese Belastung ist real wird aber kaum nach Außen kommuniziert, da ja das Umfeld meist noch nicht ahnt, dass man ein Baby unterm Herzen trägt. Die ganzen Untersuchungen in den ersten Monaten, machen die Wartezeit auch nicht besser. Zwischen Nackenfaltenhorror und Harmony-Test-Stress waren zum Beispiel meine ersten vier Schwangerschaftsmonate dieses Mal absolut kacke und garantiert nicht stressfrei.

3. Blutungen

Führen dazu, dass Punkt 2 eintritt und schüren Punkt 8. Sind aber am Anfang einer Schwangerschaft recht häufig und recht unangenehm.

4. Müdigkeit

Die bleierne Müdigkeit des ersten Trimesters kann im dritten Trimester weitergehen. Das habe ich bei meiner zweiten Schwangerschaft nun gelernt. Es ist keine „ich habe schlecht geschlafen“-Müdigkeit, sondern eine, bei der kein Liter Kaffee oder frische Luft hilft, die dich nach unten zieht wie ein Anker und bei der nur Zahnstocher in den Augen etwas bewirken können.

5. Schlaflosigkeit

Ironisch, oder? Denn obwohl man hundemüde ist und glaubt, man könnte im Stehen einschlafen, wälzt man sich nachts (so gut es der Bauch zulässt) hin und her. Das artet dann unter anderem auch damit aus, dass man um vier Uhr morgens anfängt einen Apfelstrudel zu backen. Einfach so.

6. Sodbrennen

Wer hätte gedacht, dass Sodbrennen so übel sein kann. Also ich nicht. Und dann wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Neben dem Feuer in meiner Speiseröhre mischt sich dann zusätzlich meist noch das Kicken des Babys auf den Magen dazu. Jackpot.

7. Hämorrhoiden

Ja, die spielen auch unweigerlich eine Rolle. Entweder während oder nach der Schwangerschaft, kaum eine Frau bleibt verschont. Und ja, darüber wird meist geschwiegen denn in unserem Inneren sind wir alle noch süße acht Jahre jung und finden alles was mit Popos zu tun hat lustig. Was aber nicht lustig ist und mit Popos zu tun hat, sind definitiv Hämorrhoiden, aka die Boten aus der Hölle. Ah, und Spoiler: Bei vielen Frauen bleiben die „ulkigen“ Begleiterscheinungen auch nach der Geburt als Dauergast und müssen operativ entfernt werden.

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8. Komplikationen

Wenn man (gewollt) schwanger wird hat man ein Ziel, nämlich am Ende der 40 langen Wochen einen kleinen Menschen in den Armen zu halten. Der Weg dahin kann allerdings auch ganz schön steinig sein. Es gibt nämlich ziemlich oft Komplikationen, die einen Schatten über diese 40 Wochen werfen. Komplikationen, die uns nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belasten können. Ich bin seit dem 6. Schwangerschaftsmonat in Bettruhe. Am Anfang kam die Angst ums Baby, denn in der 29. Woche, wären die Überlebenschancen zwar da gewesen, aber ein Überleben des Babys kann dir zu diesem Zeitpunkt niemand garantieren. Und dann noch die seelische Belastung, denn ans Bett gefesselt zu sein und eigentlich keine Schmerzzen zu haben, ist seltsam und langweilig und verleitet zu exzessivem Online-Shopping. Und genau über solche Komplikationen – und seien es vorzeitige Wehen, ein schwacher Muttermund, Plazenta Praevia, Schwangerschaftsvergiftung oder ein verkürzter Gebärmutterhals – sollte man sprechen können und dürfen.

9. Ängste

Die sind nämlich irgendwo ein ständiger Begleiter. In den ersten drei Monaten sowieso und dann bei Auftreten von Komplikationen oder komischen Wehwehchen, bei dem Gedanken an die Geburt und an die Zeit danach. Und sie sind vollkommen normal.

Tja, dann kommen (unter anderem) noch Verstopfung, Inkontinenz, Schwangerschaftsdemenz, Wassereinlagerungen eventuell unreine Haut, ein haariger Bauch und jede Menge Ausfluss dazu. Sehr glamourös so eine Schwangerschaft, nicht wahr?

Ja, ich weiß, dass es für viele Frauen ein Wunsch wäre all diese Beschwerden zu durchleiden um ein Baby zu bekommen und ja, ich bin auch „dankbar“ dafür schwanger sein „zu dürfen“. Nichtsdestotrotz sollte es kein Tabu mehr sein aufzuzeigen, dass eine Schwangerschaft nicht immer so aussieht wie auf Pinterest oder Instagram und dass es vollkommen in Ordnung ist zu sagen, dass es hart ist und sich in die Länge ziehen kann.

In diesem Sinne: Lasst uns offen und ehrlich und unverblümt über die Zeit reden, in der die Pickel sprießen und die Hämorrhoiden gedeihen. #honestmotherhood!

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Über Evelyn: Nach elf Jahren im schönen Wien, lebt Evelyn – Redakteurin und schon ganz bald Zweifach-Mama – seit über einem Jahr in München. Sie ist 30 und bloggt bereits seit zehn Jahren, zunächst auf The ME Fashion und seit 2016 auf Little Paper Planekein „typischer Mamablog“, dafür  kontrovers und manchmal aneckend aber immer ehrlich.

Sie glaubt an eine Welt, in der Kinder als Individuen großgezogen und dabei in keine Geschlechterrollen gezwungen werden, in der wir auch als Mütter sagen können, dass nicht immer alles nur gut ist und in der Muttersein das Frausein nicht ausschließt. 


Eltern zu sein ist eine wahre Herausforderung und jeder meistert es auf seine Art und Weise. Dennoch können wir uns allzu oft nicht verkneifen, andere Erziehungsstile und –maßnahmen zu kritisieren und zu (ver-)urteilen. Aber es gibt viele gute Gründe, das einfach mal sein zu lassen. Diese hier nämlich:

1. Wir sehen nur Ausschnitte

Wenn wir uns anmaßen über fremde Eltern zu urteilen, dann ist das schlicht und einfach eines: unfair. Denn wir sehen nur Ausschnitte eines Alltags, an dem wir nicht teilhaben. An der Kassa steht eine Mama mit brüllendem Kleinkind und statt etwas zu unternehmen, starrt sie apathisch auf ihr Handy? Vielleicht hat sie gerade eine schlechte Nachricht bekommen. Vielleicht geht es ihr nicht gut. Vielleicht ist die Situation, die in deinen Augen so falsch und klar erscheint, gar nicht so einfach zu erklären. Wie können wir wagen zu behaupten, die Mutter an der Kassa mache es „falsch“, wenn wir die Hintergründe für ihr Handeln nicht kennen, wenn wir sie nicht kennen?

2. Jeder Erwachsene tickt anders

Wir leben in einer Welt der Individualisten und sind stolz drauf. Wir zelebrieren unsere Einzigartigkeit, unseren Mut, wenn wir uns trauen „anders“ zu sein. Doch sobald es um die Kinder geht, müssen wir es alle gleich angehen? Wieso? Wieso kann es eine Mutter nicht besser finden nicht zu stillen, das Baby nicht zu tragen oder es im eigenen Zimmer schlafen zu lassen? Wieso ist unsere Einzigartigkeit da plötzlich keine Stärke mehr, sondern ein Makel?

3. Jedes Kind tickt anders

So wie jeder Erwachsene ein Individuum ist, sind das Kinder natürlich auch. Kein Kind gleicht dem anderen, und was bei meinem Kind funktioniert, kann bei deinem kläglich scheitern. Aus diesem Grund wäre es dumm zu behaupten, es gäbe nur eine Art und Weise die Erziehung „richtig“ anzugehen.

4. Es gibt kein Patentrezept

Wenn in der Kindererziehung etwas nicht fehlen darf, dann ist das Liebe, das ist klar. Aber abgesehen von Liebe haben wir ja keine Ahnung, was wir tun müssen, damit unsere Erziehung „gelingt“. Wir werden alle Fehler machen. Alle. Auch jene, die oft und gerne mit dem Finger auf andere zeigen, werden nicht verschont bleiben. Denn es gibt kein Einheitsrezept, keine Zauberformel und keine Garantie.

5. Zusammen ist es einfacher

Wieso gegeneinander, wenn es zusammen so viel leichter und schöner und toller ist!? Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir Eltern uns gegenseitig unter die Arme greifen würden, anstatt uns zu kritisieren. Wenn wir Besserwisserei und Schadenfreude, mit Mitgefühl und Empathie ersetzen würden. Weil wir im Grunde alle keine Ahnung von dem haben, was wir gerade tun…

6. Es geht uns nichts an – warum dann urteilen?

Last but not least: Es geht uns nichts an, wie andere Eltern das handhaben. Ob sie Co-sleepen oder nicht, ob sie vier Kinder wollen oder eines, ob sie „verziehen“ oder nicht. Wir alle haben einen Grund für unser Handeln, einen Grund, wieso wir Dinge so angehen und nicht anders. Und wie fad wäre eine Welt, in der alle Eltern und alle Kinder gleich wären? Eben!

7. Wir sind auch nicht perfekt

Wenn wir andere Eltern kritisieren, gehen wir davon aus, dass wir es “richtig” machen. Aber niemand von uns ist perfekt. Und wenn wir denken, “perfekt” sein zu müssen, dann setzen wir uns nur selbst unter Druck – auch nicht gut!

In diesem Sinne: Leben und leben lassen. Das ist entspannter, gesünder und schließlich wissen wir doch alle zwischenzeitlich: #coolmomsdontjudge!

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Über Evelyn: Nach elf Jahren im schönen Wien, lebt Evelyn – Redakteurin und schon ganz bald Zweifach-Mama – seit über einem Jahr in München. Sie ist 30 und bloggt bereits seit zehn Jahren, zunächst auf The ME Fashion und seit 2016 auf Little Paper Plane: kein „typischer Mamablog“, dafür  kontrovers und manchmal aneckend aber immer ehrlich.

Sie glaubt an eine Welt, in der Kinder als Individuen großgezogen und dabei in keine Geschlechterrollen gezwungen werden, in der wir auch als Mütter sagen können, dass nicht immer alles nur gut ist und in der Muttersein das Frausein nicht ausschließt.