Diese Finanztipps für (werdende) Mamas sind Gold wert: Im Moneytalk mit Madame Moneypenny

Diese Finanztipps für (werdende) Mamas sind Gold wert: Im Moneytalk mit Madame Moneypenny

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie intensiv beschäftigst du dich mit deinen eigenen Finanzen? Denen deiner Familie? Hast (nicht nur in der Vergangenheit) hin und wieder ein schlechtes Gewissen, aufs Konto zu schauen? Von richtigen Rücklagen für schlechte Zeiten müssen wir gar nicht erst reden, oder? In der ein oder anderen Form kennen wir das doch alle – ein brisantes Thema, über das nach wie vor zu wenig gesprochen wird. Und ja: Ganz besonders für Frauen, auch wenn wir das im Jahr 2019 vielleicht nicht unbedingt wahrhaben wollen.

Wir haben uns vor kurzem zum Thema Finanztipps mit Natascha Wegelin, aka der famosen Madame Moneypenny unterhalten. Sie ist Autorin, Unternehmerin, und Powerfrau mit einem der größten Finanzblogs Deutschlands und eigenem Podcast zum Thema Finanzen für Frauen. Ihr Ziel: Frauen nicht nur zu ermutigen, sondern auch mit konkreten Tipps unterstützen, das Thema Finanzen einfach mal anzugehen. So begleitet sie sie auf ihrem “Weg in die finanzielle Unabhängigkeit” – eine riesige Inspiration! 

Diese Finanztipps für (werdende) Mamas sind Gold wert: Im Moneytalk mit Madame Moneypenny

Liebe Natascha, wie schön dass du dir heute Zeit für uns nimmst und mit uns über das Thema Finanzen sprichst und vielleicht sogar ein paar Finanztipps teilst! Ein unheimlich wichtiges Thema, besonders für Frauen. Wie kamst du dazu?

Ich bin damals eigentlich aus Eigentherapie zu Madame Moneypenny gekommen. Als ich mein erstes eigenes Unternehmen gegründet habe, kam die Frage nach der Rentenversicherung auf. Ich habe mich dagegen entschieden und bin anstatt dessen einer Finanzberaterin auf den Leim gegangen. In den nächsten 3 Jahren habe  ich sehr viel Geld in eine Versicherung und die Gebühren dafür in den Sand gesetzt. Das war für mich ein absoluter Aha-Moment – es kann doch nicht sein, dass ich von sowas so gar keine Ahnung habe!

Als ich dann mit Freundinnen darüber gesprochen habe, fiel mir auf, dass auch da die eigene Finanzplanung, die eigene Vorsorge nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt – wirklich erschreckend. Vielleicht gibt es da einfach noch nicht das richtige Angebot, das Frauen wirklich anspricht sich mit dem Thema zu beschäftigen? Deshalb habe ich angefangen, Madame Moneypenny aufzubauen – und zwar auf Augenhöhe über das Thema Finanzen und Finanztipps zu schreiben, von Frau zu Frau, nicht von irgendeinem Berater.

“Erzählst du uns, wieso dir dieses Thema so wichtig ist?

Naja, du sagst es: Finanzielle Unabhängigkeit! Altersarmut is weiblich. Ich habe neulich mit unserem Finanzminister zusammengesessen und auch über solche Themen gesprochen. Spätestens seither ist mir klar: Höchste Eisenbahn, auf irgendwelche politischen Systeme sollten wir uns wirklich, wirklich nicht verlassen. Ein stückweit muss jede von uns für sich selbst verantwortlich sein – jemand anderes wird es nicht für dich machen. Das ist meine Mission – wachrütteln und sagen: Hey, du musst da was tun! Und bestenfalls zeige ich auch gleich, was man denn tun sollte. Sich generell darum kümmern, Geld zu investieren, selbst Vermögen aufzubauen – um eben nicht in eine mögliche Altersarmut zu rutschen, um nicht von einem Mann abhängig zu sein, egal wie sehr man ihn vielleicht liebt.

Da kommen so viele Themen zusammen, aber der Überbegriff ist Unabhängigkeit: Von politischen Entscheidungen, von meinem Mann, von Freunden, Beratern – einfach alles selbst in die Hand zu nehmen. Das finde ich unheimlich wichtig, sowohl auf rationaler Ebene als auch auf emotionaler. Schließlich ist es so, dass ich einfach viel mehr Power habe, auch in anderen Lebensbereichen, wenn ich dieses wichtige Thema geregelt habe: Ich habe meine eigenen Finanzen im Griff, ich treffe meine eigenen Entscheidungen!

Du sprichst hier die Altersarmut bei Frauen an – besonders im Bezug auf das Thema Männer/Frauen.  Frauen verdienen im Schnitt noch immer bedeutend weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei sage und schreibe 21%. Es gibt auch einen “bereinigten” Wert, der liegt bei 6%, da werden dann gleiche Berufe miteinander verglichen. Trotzdem sind die 21% natürlich ein realer Fakt: Woran liegt das?

Es gibt immer noch typische “Frauenberufe” – Pflegeberufe, Kindergärtner, und so weiter – und das sind die Berufe, die traurigerweise nicht sonderlich gut bezahlt werden. Das ist leider ein absoluter Fehler im System, so wichtig diese Berufe für unsere Gesellschaft auch sind, denn genau so kommt die Pay Gap zustande. Auch dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten, spielt da ganz klar mit rein!

Worüber wir als Frauen richtig aber eigentlich sauer sein sollten, sind tatsächlich diese 6%! Gleiche Arbeit, unterschiedlich entlohnt – das geht gar nicht! Es ist eine Sache, dass es vielleicht historisch so gewachsen ist, dass Frauen eher in Pflegeberufen, sozialen Berufen fündig werden – auch wenn ich natürlich hoffe, dass sich auch hier etwas ändert und Frauen in Zukunft nicht mehr vor naturwissenschaftlichen Themen zurückschrecken.

Klar, ich war auch schlecht in Mathe, aber vielleicht spielt hier auch Priming eine Rolle – das das, was dir eingepflanzt wird als Glauben, beispielsweise “Mädchen sind schlecht in Mathe”, sich auch einfach manifestiert. Da gibt es ganz spannende Studien, und ich bin mir sicher dass vieles tatsächlich auch auf Sozialisierung zurückzuführen ist. Aber alles in allem: Die 21% Gender Pay Gap ist einfach scheiße, ein Fehler im System – aber die 6% machen mich persönlich noch viel wütender. Die gleiche Arbeit, aber für 6% weniger Geld. Mit welcher Berechtigung?!

Außer Mädchen schon von früh an einzuflößen:Du kannst das mindestens genau so gut wie die Jungs – was denkst du, könnte man noch dagegen tun?

Ich denke, das ist einerseits Erziehungssache und natürlich ist es auch ein Fehler im System, dass Pflegeberufe schlechter bezahlt werden. Auf der anderen Seite ist es aber auch die Frage: Was kann ICH dafür tun, dass ich nicht in diese 6% falle? Das fängt damit an, mein Gehalt besser zu verhandeln, mehr für mich selbst aufzustehen, die eigenen Lorbeeren einzusammeln. Zu sagen: “Ja, das hat mein Team richtig toll gemacht, aber ich habe das Team geleitet!”.

Ich glaube, dass sich Frauen tendenziell eher unter den Scheffel stellen und den eigenen Erfolg eher kleinhalten. Und was machen Männer? Die sagen: “Ohne mich wäre hier gar nichts gelaufen, gebt mir mehr Geld!”. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo dazwischen, aber generell sollten wir Frauen uns da viel öfter selbst schätzen, unsere eigenen Erfolge anerkennen und das auch kommunizieren! Auf so etwas wie Entgelttransparenzgesetze würde ich mich hier nicht verlassen. Schön und gut und definitiv ein richtiger Ansatz, dass die Politik hier einen Schritt in Richtung Transparenz gehen möchte und Gehälter offenlegen möchte. Aber da gibt es viele Schleifen und Hintertürchen – am wichtigsten ist und bleibt, dass wir hier selbst für uns einstehen!

Du hast vorhin auch kurz das Thema Teilzeit angesprochen: Das ist besonders für Frauen, noch mehr für Mütter ein wichtiger Punkt. Nach der Elternzeit, gehen viele Mütter in Teilzeit zurück in den Beruf, ich selbst plane das auch. Natürlich verdient man dann plötzlich nicht mehr 100% – worauf ist hier besonders zu achten?

Es ist doch fast verrückt, dass das für uns so selbstverständlich ist – ich werde jetzt Mama, ich gehe in Teilzeit, ist ja klar! Da fände ich es wichtig, anzusetzen – warum ist das so klar? Oder ist das klar, weil alle das so machen? Ich glaube, dass viele Frauen im Sinne von “ist ja klar” direkt in die Teilzeit rutschen, ohne sich aktiv dafür zu entscheiden: Ich will das, wir wollen das, wir haben vielleicht auch intern in unserer Beziehung darüber gesprochen und uns ein System überlegt, was denn dann mit mir als teilzeitarbeitende Mama finanziell passiert, in den nächsten Jahrzehnten.

Bewusst zu entscheiden: Ja, das ist das richtige System für uns. Auf der anderen Seite aber auch ganz klar zu hinterfragen: Warum ich, warum kann der Papa nicht auch in Teilzeit gehen? Oder beide? Da gibt es doch einiges mehr an Spielraum – und es muss ganz klar einen Ausgleich von dem- oder derjenigen geben, der weiter arbeitet, weiter Karriere macht, weiter in die Rentenkasse einzahlt. Zu der Person, die sich ab jetzt um die Kindererziehung kümmert, nur noch Teilzeit arbeitet und eben nicht mehr in die Rentenkasse einzahlt, oder zumindest nicht mehr in dem Umfang.

Denn das geht mit enormen Karriereeinbüßungen einher: Ich verdiene am Ende weniger und kann letztlich keinen Vermögensaufbau betreiben – habe ja aber trotzdem einen Vollzeit-Job, denn schließlich kümmere ich mich um unsere Kinder! Und weil ich das mache, kannst du weiterhin Karriere machen! Ohne das eine würde das andere nicht funktionieren. Das sind Gedanken, die man sich in einer Partnerschaft unbedingt machen sollte – wenn ich zuhause bleibe entgehen mir so und so viele finanzielle Mittel – wie wollen wir damit umgehen?

Ganz offen darüber reden ist auch hier wieder der Schlüssel, oder?

Ganz klar! Das ist meiner Meinung nach aber auch in der Verantwortung der Frau, denn viele Männer denken darüber gar nicht nach. Wenn ich teilweise mit Männern über das Thema spreche, kommt ein erstauntes “Ach – STIMMT! Da habe ich ja noch nie darüber nachgedacht!”, was man ihnen ja nicht mal vorwerfen kann. Wichtig ist also, da das Gespräch zu suchen und eine Lösung zu erarbeiten, mit der sich beide wohlfühlen.

Auf sich selbst achten, und auf die eigenen Finanzen: Klar, super wichtig. Wieso kommt es immer noch vor, dass Frauen das lieber dem Mann überlassen? Falls der irgendwann weg ist, könnte es dann ja ganz schön schwierig werden.

Ja, manche Frauen haben nicht mal ein eigenes Konto! Auch hier ist es sicherlich wieder der Sozialisierungsaspekt, der eine wichtige Rolle spielt. Vorgelebt bekommen von Oma und Opa, von Mama und Papa – so ist das halt. Vielleicht gibt es zu wenig Impulse von außen, Menschen umgeben sich gerne auch mit Gleichgesinnten. Wenn alle meine Freundinnen auch in Teilzeit arbeiten und vielleicht auch kein eigenes Konto haben, dann denke mir natürlich nichts weiter dabei. Das kann aber ganz schnell wirklich gefährlich werden.

Man hat nichts in seinem eigenen Namen, was wenn man wirklich mal Geld braucht? Bekommt man dann ein Haushaltsgeld zugeteilt, muss man seinen Mann nach Geld fragen? Zudem gibt es auch Fälle, in denen Frauen davon ausgehen, dass sich der Mann schon um alles kümmert – und dann ist von Spielsucht über Aktien und anderen hochrisikoreichen Geschichten, die mit dem gemeinsamen Geld gemacht werden, alles dabei! Was mache ich denn, wenn ich als Frau die komplette finanzielle Verantwortung abgebe und nach 5 Jahren stellt sich heraus, dass wir pleite sind? Daher ist es so wichtig, selbst informiert zu sein, gemeinsam darüber zu reden und eine grobe Finanzplanung zu machen. Das spielt schließlich eine große Rolle, spätestens wenn Kinder im Spiel sind! Also: Augen auf bei der Partnerwahl, so doof das klingt – und immer kommunizieren!

Aber auch in einer Bilderbuchbeziehung gibt es einige Dinge, die zu beachten sind. Von der richtigen Recherche zu Dingen wie Elterngeld, Kindergeld, Kinderfreibeträge bei der Steuer und so weiter. Worauf ist zu achten und wie können wir noch effizienter Möglichkeiten, die uns der Staat gibt, nutzen?

Auch hier ist es wichtig, zu überlegen wie viel ein Kind einfach kostet – ich glaube so rund 250.000 €, bis es 18 ist! Da sollte man schon direkt eine Planung machen: Was heißt das für unseren Lebensstandard aktuell? Da kommen zusätzliche Kosten auf, die man vorher nicht hatte – und nicht beide verdienend ja automatisch mehr Geld, im Gegenteil!

Rational heranzugehen, eine grobe Planung – das müssen nicht die nächsten 20 Jahre sein, aber vielleicht unmittelbar die nächsten 12, 18 Monate. Und dann: Recherche, Recherche, Recherche! Wo gibt es Freibeträge, Riesterverträge, Kindergeldfreibeträge – alles mitnehmen, was geht! In unserer Facebook-Gruppe gibt es da auch viele Mütter, die sich austauschen, und auch viele Mama Blogs setzen sich damit auseinander. Und auch hier wieder: Support untereinander! Man ist ja immer nicht die erste, die so etwas macht, einfach mal in den sauren Apfel beißen, ein paar Artikel dazu durchlesen und ruhig auch einfach andere Mamas fragen!

Abschließend: Welche 3 Finanztipps würdest du jungen Müttern unbedingt mitgeben wollen? Kann man das überhaupt so einfach auf 3 begrenzen?

Ich bin ein großer Fan vom guten alten, superlangweiligen Haushaltsbuch. Macht gar keinen Spaß, aber es ist wahnsinnig wirkungsvoll. Einfach mal einzutragen: Was verdiene ich überhaupt, wofür geht die Kohle raus? Wenn ich eh schon am Limit lebe und das, was reinkommt auch direkt so wieder rausgeht, woher soll dann die Differenz kommen, die dieser kleiner Mensch jetzt kosten soll? Man muss das Haushaltsbuch nicht ein Leben lang führen, aber vielleicht mal einige Monate am Stück. Da merkt man schnell, wo man vielleicht wirklich Geld rausschmeißt und wo es notwendig ist. Auto, Transport, Lebensmittel, Kino, Zeitschriftenabos die ich gar nicht lese – und warum bin ich eigentlich in zwei Fitnessstudios angemeldet?

Mein zweiter Finanztipp: Tatsächlich mit dem Partner darüber zu sprechen und eine Finanzplanung zu machen – vielleicht auf Basis dieses Haushaltsbuches. Die Kommunikation ist da einfach super, super wichtig.

Schritt Drei ist für Mamas wie für alle anderen Frauen auf jeden Fall, sich mit Vermögensaufbau zu beschäftigen. Wir werden alle keine ausreichende Rente bekommen, nach aktuellen Hochrechnungen können wir uns im Schnitt mit 400 € glücklich schätzen. Da muss irgendwas passieren, und da sind wir früher oder später einfach beim eigenen Vermögensaufbau. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mal mit Aktien und ETFs zu beschäftigen, was aktuell an der Börse passiert. Vielleicht sogar ein Eigenheim, Immobilien, wenn das nötige Kleingeld da ist… Das ist alles gar nicht so schlimm, wie es sich zuerst einmal anhört. Sparen ist ein großes Thema, aber auch Investieren! Wie kann ich aus dem Geld, was ich schon verdiene, das meiste herausholen?

Vielen lieben Dank für deine Zeit, Natascha!

Das ganze Video zum Interview gibt es hier: 

 

Wenn euch das Thema genau so interessiert wie uns, dann schaut doch unbedingt auf Madame Moneypenny vorbei! Oder horcht in den Podcast rein und vernetzt euch mit tollen Frauen auf Facebook – wir sehen uns dort!

Fotos: Copyright Jacqueline Häußler / Sam Truong Dan on Unsplash

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